Mobbing und Cyber-Mobbing

Was ist Mobbing?
Was ist Cyber-Mobbing?
Und was ist Bullying?
Warum mobben manche Menschen?
Was kannst du gegen Mobbing tun, wenn du es mitbekommst?
Und was kannst du tun, wenn du mitbekommst, dass jemand im Internet gemobbt wird?
Bist du selbst schuld, wenn du gemobbt wirst?
Was kannst du tun, wenn du gemobbt wirst?
Was kannst du tun, wenn gegen deinen Willen Bilder im Internet auftauchen?
Was machst du, wenn du peinliche Bilder von anderen geschickt bekommst?
Was machst du, wenn unter deinem Namen falsche Sachen im Internet verbreitet werden?
Wie kannst du dich vor Cyber-Mobbing schützen?
Was ist Hate Speech?
Ist Hate Speech strafbar?
Was kannst du tun, wenn du von Hate Speech betroffen bist?
Was bedeutet Slut-Shaming?
Aus welchen Gründen beschimpfen sich Mädchen und Frauen als Schlampen?
Was kannst du tun, wenn du oder jemand anderes als Schlampe bezeichnet werdet?
Werden Jungen und Männer auch Opfer von „Slut-Shaming“?
Warum benutzen manche das Wort Mädchen als Beleidigung?


Was ist Mobbing?

Das Wort „Mobbing“ kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie anpöbeln oder belästigen.

Aber Vorsicht: Obwohl die Bedeutung des Wortes es vermuten lässt, wird noch nicht von Mobbing gesprochen, wenn jemand mal beschimpft, mal geärgert oder mal geschubst wird. Natürlich ist das nicht in Ordnung. Es ist aber noch kein Mobbing. Von Mobbing wird dann gesprochen, wenn jemand von einer oder mehreren Personen über einen längeren Zeitraum absichtlich beschimpft, geärgert oder abgewertet wird. Jemanden zu mobben passiert also bewusst und nicht aus Versehen in einer Streitsituation.

Zu Mobbing zählt viel:

  • Einer/einem Schimpfwörter nachrufen, oder eine/einen beschimpfen.
  • Eine/einen ignorieren, also nicht mehr mit ihr oder ihm sprechen oder bewusst weggehen, wenn die Person kommt.
  • Sich über eine/einen lustig machen.
  • Falsche Dinge über eine/einen erzählen oder einer/einem falsche Informationen geben.
  • Einer/einem wehtun, wie beispielsweise schlagen, verprügeln, ein Bein stellen, zwicken oder festhalten.
  • Einer/einem Dinge wegnehmen oder sogar kaputt machen. 
  • Eine/einen einsperren.

Und das war längst noch nicht alles. Es gibt leider sehr viele Möglichkeiten, jemanden fertig zu machen.

Übrigens handelt es sich bei Mobbing um einen Gruppenprozess. Das bedeutet, es sind nicht nur ein Täter oder eine Täterin und ein Opfer beteiligt. Bei Mobbing ist immer eine größere Gruppe beteiligt. Auch Mitläuferinnen und Mitläufer sowie Dulderinnen und Dulder unterstützen, teilweise unbewusst, das Andauern von Mobbing. Mitläuferinnen und Mitläufer mobben übrigens manchmal selbst, da sie Angst haben, das nächste Mobbingopfer zu werden. Die Dulderinnen und Dulder mobben zwar nicht aktiv mit, aber sie greifen auch nicht ein. Auch sie möchten nicht die nächste Person sein, die gemobbt wird. Und gerade weil meist niemand auf der Seite des Opfers steht, ist Mobbing so schlimm. Wenn niemand Partei für das Opfer ergreift, sieht der Täter oder die Täterin bzw. sehen die Täter oder die Täterinnen oft auch keinen Grund, das Mobben zu beenden und es kann gemeiner und unerträglicher werden.


Was ist Cyber-Mobbing?

Neben Mobbing im realen Leben gibt es auch Mobbing im Internet. Wenn Personen online gemobbt werden, wird dies als Cyber-Mobbing bezeichnet. Viele Täter oder Täterinnen nutzen hierbei die Sozialen Netzwerke, die du sicher auch kennst: Instagram, WhatsApp, Tiktok, Snapchat, Facebook und noch viele andere Kommunikationsplattformen zählen dazu.

Doch was kann alles zu Cyber-Mobbing gehören?

  • Ein peinliches Foto von einer Person ungefragt Hochladen.
  • Gemeine Kommentare oder gemeine Nachrichten schreiben, z.B. Beleidigungen hinterlassen.
  • Eine WhatsApp-Gruppe gründen, um über eine bestimmte Person zu lästern.

Cyber-Mobbing kann übrigens überall und zu jeder Uhrzeit passieren – sobald eine Internetverbindung besteht.

Tatsächlich können mobbende Personen rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche aktiv sein – und das auch noch anonym und vor einem riesigen, unbestimmbaren Publikum im Internet. Für die Betroffenen bedeutet das erhebliche Folgen und sie unterliegen einem permanent andauernden Leidensdruck.

Cyber-Mobbing ist ganz häufig mit Mobbing in der realen Welt verbunden. Denn wer beispielsweise in der Schule gemobbt wird, ist auch oftmals im Internet das Opfer.

Weitere Informationen zu Cyber-Mobbing kannst du auch unter http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/  finden.


Und was ist Bullying?

Bullying ist ein anderer Begriff für Mobbing, der in vielen englischsprachigen Ländern verwendet wird. Er meint das Gleiche und bedeutet genau genommen tyrannisieren, schikanieren oder einschüchtern.


Warum mobben manche Menschen?

Das ist eine gute Frage. Oftmals können Außenstehende gar nicht nachvollziehen, warum eine bestimmte Person gemobbt wird.

Meist spielen Unterschiede zwischen den Menschen eine Rolle und begründen das Mobben. Fällt dir vielleicht ein, was für Unterschiede das sein können? Hier ein paar Beispiele:

  • Eine/einer kleidet sich anders als die Mehrheit.
  • Eine/einer hat eine bessere Schulnote.
  • Eine/einer kommt aus einer Familie, die sich finanziell nicht viel leisten kann.

Du siehst, die Unterschiede können ganz vielfältig sein. Gemein, oder? Vielleicht hast du schon beim Lesen der Beispiele gemerkt, dass manche Menschen mobben, weil sie neidisch auf andere Personen sind. Das können z.B. die besseren Schulnoten sein. Es kann aber auch sein, dass Personen die als „anders“ wahrgenommen werden, Opfer von Mobbing sind: Kleidungsstil, Körpergröße, Körperform und Haarfarbe oder Religion, Kultur und Behinderung können Gründe sein, weshalb Personen gemobbt werden.

Fazit: Keine Unterschiede rechtfertigen Mobbing. Mobbing ist nie okay! Übrigens können Mädchen genauso mobben wie Jungen. Und Mobbingprozesse können klein anfangen. Mobbing kann zunächst fast unbemerkt passieren und kann für die Betroffenen immer schlimmer werden.


Was kannst du gegen Mobbing tun, wenn du es mitbekommst?

Hast du vielleicht auch schon mitbekommen, dass jemand in deinem Umfeld gemobbt wurde und hast vielleicht aus Angst nichts getan? Dafür musst du dich nicht schämen. Es erfordert ganz schön viel Mut, der- oder demjenigen zu helfen. Natürlich ist Wegschauen für das Opfer nicht hilfreich. Viel mehr zeigt es dem Täter, der Täterin oder der TäterInnengruppe, dass sein/ihr Verhalten toleriert wird.

Was kannst du nun dagegen tun? Der betroffenen Person hilft es bereits, wenn sie merkt, dass jemand auf ihrer Seite steht. Vielleicht traust du dich in einer ruhigen Minute mit dem Opfer zu sprechen und die Person zu fragen, ob und wie du helfen kannst? Du könntest zum Beispiel anbieten, gemeinsam mit ihr zu einer Vertrauensperson zu gehen, die helfen kann. Eine Beraterin der LOBBY FÜR MÄDCHEN könnte beispielsweise diese Vertrauensperson sein. Aber auch Lehrkräfte, Eltern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Jugendeinrichtung oder Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter können dich unterstützen.

Falls du dich das nicht traust, kannst du auch erst einmal allein mit einer Person deines Vertrauens sprechen und um Rat fragen. Oder du könntest dir andere Verbündete suchen und mit ihnen gemeinsam überlegen, wie ihr das Opfer unterstützen könnt.

Es kann Situationen geben, in denen man dem Täter oder der Täterin bzw. der TäterInnengruppe direkt ins Gesicht sagen kann, dass das Mobbingverhalten nicht in Ordnung ist. Jedes Mädchen darf für sich entscheiden, wie sie helfen möchte.


Und was kannst du tun, wenn du mitbekommst, dass jemand im Internet gemobbt wird?

Wie beim Mobbing in der realen Welt ist es auch bei Cyber-Mobbing sehr schwer, als unbeteiligte Person in das Geschehen einzugreifen und Partei für das Opfer zu ergreifen. Es ist verständlich, wenn du Angst hast als nächstes angegriffen zu werden.

Wenn du dich traust, kannst du aber auch hier die betroffene Person (das Mobbing-Opfer) anschreiben und ihr mitteilen, dass du das Mobbing nicht okay findest. Du könntest auch Hilfe anbieten und ihr den Rat geben, beispielsweise Screenshots von den Mobbingattacken zu machen. So hat diese Person Beweise, wenn sie etwas gegen das Mobbing unternehmen möchte. Vielleicht kennst du die Person auch im realen Leben? Dann könntest du dich auch persönlich mit ihr treffen und die Tipps befolgen, die wir bereits weiter oben gegeben haben.

Du kannst dir natürlich auch erst einmal eine Vertrauensperson für dich suchen und mit ihr sprechen. Wenn du magst, komm‘ gerne zu uns in die Beratungsstelle. Wir versuchen, mit dir gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Falls du ein peinliches Bild oder einen gemeinen Spruch bei Instagram, Tiktok oder in anderen sozialen Netzwerken entdeckst, kannst du diesen Post beim Betreiber melden. Die gemeldete Person wird nicht darüber informiert, dass du diese Meldung gesendet hast.


Bist du selbst schuld, wenn du gemobbt wirst?

Nein! Du bist ganz sicher nicht schuld daran, wenn du von anderen geärgert, beleidigt oder sogar gemobbt wirst. Habe keine Angst, dass etwas mit dir nicht stimmt.

Und weißt du was? Du bist nicht allein!

Mobbing kann zu jedem Zeitpunkt passieren. Wenn du weißt, wie du dich gegen Mobbing wehrst oder was du tun kannst, um anderen zu helfen, stärkt dich das schon in deinem Selbstbewusstsein. Und das strahlst du auch aus!

Cyber-Mobbing betrifft dich übrigens nicht alleine: Die Zahlen von betroffenen Mädchen sind erschreckend hoch. Deswegen ist es besonders wichtig, dass möglichst viele erfahren, wie sehr die Opfer von Mobbing leiden und wie man sich selbst oder einem Opfer helfen kann.

2020 haben ein Drittel der Jugendlichen angegeben, dass schonmal beleidigende oder falsche Sachen über sie im Internet verbreitet wurden.  Fast jedes fünfte Mädchen gibt an, dass bereits beleidigende Bilder oder Videos von ihr ohne Einwilligung gepostet wurden.

Außerdem haben 2020 fast die Hälfte aller Mädchen in ihrem Umfeld mitbekommen, dass jemand im Internet absichtlich fertig gemacht wurde.

Fast jedes fünfte Mädchen wurden schonmal selbst Opfer von Cybermobbing. Wenn du noch mehr über die Zahlen wissen möchtest, kannst du hier weiterlesen: https://www.mpfs.de/studien/jim-studie/2020/


Was kannst du tun, wenn du gemobbt wirst?

Keine/keiner hat das Recht, dich zu verletzen oder dir schaden zu wollen. Du brauchst dich auch nicht zu schämen, gemobbt zu werden. Falls du von Mitschülerinnen oder Mitschülern gemobbt wirst, kannst du Folgendes selbst versuchen:

  • Es kann sehr schwer sein, mit schlimmen Erlebnissen alleine fertig zu werden: Sprich am besten mit einer Vertrauensperson über das Mobbing. Besonders schlimm wird Mobbing nämlich dann, wenn du alle Bedrohungen, Hänseleien und blöden Sprüche einfach runterschluckst und versuchst, allein damit zurechtzukommen.
  • Überlege dir, bei wem du Unterstützung findest. Vielleicht hilft es ja, mit deinen Eltern, einer Freundin, einer Betreuerin oder einem Betreuer in einem Jugendzentrum, deinen Großeltern oder Geschwistern zu sprechen? Gemeinsam könnt ihr dann überlegen, was dir helfen würde. In diesem Gespräch darfst du deine Wut, deine Ängste und deine Sorgen rauslassen.
  • Wenn du das möchtest, kannst du natürlich auch deine Klassenlehrerin bzw. deinen Klassenlehrer oder aber eine Vertrauenslehrerin oder einen Vertrauenslehrer um Rat bitten. Vielleicht gibt es an deiner Schule auch eine Schulsozialarbeiterin oder einen Schulsozialarbeiter? 
  • Du kannst auch gerne unser Beratungsangebot nutzen und dir hier Rat holen. Dafür kannst du z.B. unsere Online-Beratung nutzen oder in die Mädchenberatung kommen.

Falls du Cyber-Mobbing erfährst, kannst du von gemeinen Nachrichten einen Screenshot machen. Vielleicht brauchst du diesen später, wenn es darum geht, den Cyber-Mobbingvorfall zu beweisen. Und fast jeder Onlinedienst bietet übrigens die Möglichkeit, Nachrichten, Tweets, Kommentare und Bilder zu melden. Du kannst meist auch direkt Personen bei den Anbietern melden. Außerdem kannst du Personen, die dich fertig machen, aus deiner Freundesliste löschen oder blockieren.


Was kannst du tun, wenn gegen deinen Willen Bilder im Internet auftauchen?

Fotos von dir im Privatbereich, z.B. in der Wohnung, einer Umkleide oder auf der Toilette, dürfen natürlich nur mit deinem Einverständnis gemacht werden. Wird ein solches Foto trotzdem ohne dein Einverständnis gemacht, gezeigt, hochgeladen, geteilt oder weitergeschickt, ist das eine Verletzung des „höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“. Damit macht sich der- oder diejenige, der oder die dafür verantwortlich ist, strafbar (§201a Abs.1 StGB).

Alle Fotos, auf denen du deutlich zu erkennen bist oder sogar den Hauptbestandteil darstellst, dürfen nur mit deinem Einverständnis geteilt werden. Dieses regelt der §22 des KunstUrhG. Das gilt übrigens auch für Video- oder Tonaufnahmen.

Hast du einmal dein Einverständnis zur Aufnahme und Verbreitung von Fotos etc. gegeben, kannst du dieses jederzeit wieder zurücknehmen. Falls du nun Bilder von dir im Internet oder auf dem Handy anderer Leute entdeckst, kannst du dich vielleicht an eine Vertrauensperson oder an unsere Beraterinnen wenden. Gemeinsam könnt ihr euch bemühen, dass das Bild gelöscht wird. Und denke daran, dass du nie schuld daran bist, wenn beispielsweise ein peinliches Bild von dir verbreitet wird. Schuld hat immer die- oder derjenige, die oder der es verschickt oder hochlädt.


Was machst du, wenn du peinliche Bilder von anderen geschickt bekommst?

Wenn dir jemand ungefragt ein peinliches Bild oder ein Video von einer anderen Person schickt, ist das nicht in Ordnung, sondern sogar strafbar! Denn das darf man ohne das Einverständnis der abgebildeten Person nicht. Alle Bilder, auf denen eine dritte Person in ihrem privaten Bereich abgebildet ist, also zu Hause, bei ihren Hobbys, bei Freunden und Freundinnen oder zusammen mit ihrer Familie, dürfen nur mit ihrer Erlaubnis weitergeleitet oder veröffentlich werden. Dazu gibt es ein Gesetz, das KunstUrheberGesetz heißt.

Vielleicht kennst du die Person auf dem Bild oder auf dem Video ja auch?

Dann kannst du ihr helfen, indem du sie über die Verbreitung informierst. Du kannst sie fragen, ob du irgendetwas für sie tun kannst. Beispielsweise könntest du der Absenderin oder dem Absender des Bildes mitteilen, dass ihr oder sein Verhalten nicht in Ordnung ist.

Wer Nacktaufnahmen oder pornografisches Material an Minderjährige verschickt, macht sich nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Denke übrigens immer daran: Ob Personen auf Bildern oder Videos im Internet wirklich mit der Verbreitung einverstanden waren, lässt sich schwer nachvollziehen. Bei einem peinlichen Bild oder Video kannst du jedoch in den meisten Fällen davon ausgehen, dass die abgebildeten Personen die Veröffentlichung im Internet nicht wollten.


Was machst du, wenn unter deinem Namen falsche Sachen im Internet verbreitet werden?

Wenn du Kommentare, Posts, SMS oder Nachrichten unter deinem Namen siehst, die du nicht geschrieben hast, dann ist das natürlich nicht in Ordnung. Dass andere jetzt denken, du hättest tatsächlich diesen Kommentar, diesen Post, diese SMS oder diese Nachricht verfasst, kann verschiedene Gefühle, wie Wut, Angst oder Scham, in dir auslösen.

Das ist verständlich und wir möchten dich ermutigen, etwas dagegen zu tun. Am besten machst du einen Screenshot von deinem angeblich verfassten Kommentar. Mit diesem kannst du dann zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Es ist dabei meistens hilfreich, dass dich eine erwachsene Person deines Vertrauens begleitet und dich bei deinem Vorhaben unterstützt. Das können ein Elternteil, eine Betreuerin oder ein Betreuer aus einem Jugendzentrum, eine Lehrerin oder ein Lehrer oder die Schulsozialarbeiterin oder der Schulsozialarbeiter sein. Aber natürlich können dir auch unsere Beraterinnen der LOBBY FÜR MÄDCHEN helfen. Die Verbreitung von Lügen, als auch beleidigende Äußerungen, stehen gesetzlich unter Strafe.


Wie kannst du dich vor Cyber-Mobbing schützen?

Durch die Reichweite des Internets ist es schwierig, sich vor Cyber-Mobbing zu schützen. Du hast aber die Möglichkeit unter anderem durch die Einstellungen deines Profils in den sozialen Netzwerken Einfluss zu nehmen.

  • Überlege dir genau, welche Angaben und Informationen du selbst ins Internet stellst. Schau dir auch nochmal die Einstellungen für die Privatsphäre bei Snapchat, Instagram und anderen sozialen Netzwerken an. Welche Informationen möchtest du wirklich bewusst allen Nutzerinnen und Nutzern der Plattform zugänglich machen?
  • Du kannst auch darauf achten, welche Freundschafts- oder Folgeanfragen du beantwortest. Überlege dir, ob du möchtest, dass auch Personen, die du nicht privat kennst, deine Beiträge sehen können.

Das sind nur einige Tipps, wie du dich vor Mobbing im Internet schützen kannst. Aber auch wenn du sie befolgst, kann es sein, dass du einmal Cyber-Mobbing erlebst.

Aber denke daran: Du bist nicht schuld, wenn du von anderen Personen gemobbt wirst.


Was ist Hate Speech?

Neben beleidigenden Inhalten, die sich direkt auf eine einzelne Person beziehen und als Mobbing aufgefasst werden können, kann es sein, dass du im Netz weitere negative Erfahrungen machst.

2020 hat fast jedes zweite Mädchen Erfahrungen mit Hassbotschaften, beleidigenden Kommentaren, falschen Informationen und extremen politischen Ansichten gemacht. Alle diese Ausdrucksweisen werden als „Hate Speech“ bezeichnet. „Hate Speech“ ist ein englischer Begriff und kann auf Deutsch mit „Hassrede“ übersetzt werden.

Auch Hate Speech, besonders wenn sie geballt vorkommt, kann belastend sein, selbst wenn du nicht direkt selbst davon betroffen bist. Besonders bei Mädchen, die unter anderem aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie, Religion oder geschlechtlichen Identität einer Gruppe angehören, die durch Hate Speech angegriffen wird, können die Auswirkungen ähnlich sein, wie beim Cyber-Mobbing.

Hate Speech hat meist bestimmte Menschen oder bestimmte Gruppen als Ziel. Wenn diese Menschen abgewertet, beleidigt, angegriffen werden oder sogar zu gewaltvollen Handlungen aufgefordert wird, fällt das Alles unter Hate Speech.

Hate Speech kann unter anderem beinhalten:

  • Rassistische Aussagen: eine Diskriminierung und Abwertung aufgrund der Abstammung und Herkunft
  • Sexistische Aussagen: eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes
  • Homophobe und transphobe Aussagen: eine Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung
  • Ableistische Aussagen: eine Diskriminierung aufgrund einer Behinderung
  • Lookistische Aussagen: eine Diskriminierung aufgrund des Aussehens
  • Klassistische Aussagen: eine Diskriminierung aufgrund der Sozialien Herkunft

Dies ist eine Auswahl an Aussagen, die durch Hate-Speech getroffen werden können und von denen uns viele Mädchen berichten, natürlich gibt es noch mehr Bereiche von Abwertung und Diskriminierung.


Ist Hate Speech strafbar?

Wenn die Aussagen von Hate Speech besonders schlimme und beleidigende, Aussagen beinhalten, sind diese strafbar. Diese können durch hohe Geld- und Freiheitsstrafen bestraft werden.

Diese gelten schon für Jugendliche ab 14 Jahren.

Unter anderem sind folgende Bereiche von Hate Speech strafbar:

  • Wenn eine schwerwiegende Beleidigung vorliegt
  • Wenn „Üble Nachrede“ nachgewiesen werden kann, also Aussagen verbreitet wurden, die nachweisbar nicht stimmen
  • Wenn „Verleumdung“ besteht, also bewusst falsche Tatsachen zur Herabwürdigung einer Person verbreitet werden
  • Wenn eine Bedrohung vorliegt, also eine Person mit einem Verbrechen bedroht wird
  • Wenn eine Bedrohung vorliegt, die die persönliche Freiheit, Gegenstände von hohem Wert, die körperliche Unversehrtheit oder die sexuelle Selbstbestimmung einer Person betreffen

Hate Speech ist auch strafbar, wenn eine Person diese mit einem anderen Namen oder einem „Nickname“ verbreitet. Die Identität hinter dem Benutzerinnen- oder Benutzer-Namen, dem Profil oder dem Account kann dann für die Strafverfolgung ermittelt werden.


Was kannst du tun, wenn du von Hate Speech betroffen bist?

Wenn du von Hate Speech betroffen bist, kann dies für dich sehr belastend sein. Überlege dir, ob du einer Vertrauensperson davon erzählen möchtest, um gemeinsam zu überlegen, was ihr dagegen tun könnt.

Es kann hier verschiedene Möglichkeiten geben: Du kannst einen Screenshot des entsprechenden Kommentars machen und bei der Polizei eine Strafanzeige erstatten. Wenn dieser Kommentar strafbare Inhalte aufweist, kann die Meldung dazu führen, dass du Anspruch darauf hast, dass der Kommentar gelöscht werden muss. Außerdem muss das soziale Netzwerk, in welchem der Kommentar verfasst wurde, diesen an das Bundeskriminalamt weiterleiten, damit dieses ermitteln kann, wer den Kommentar verfasst hat. Wenn die Inhalte der Hate Speech als besonders verletzend eingestuft werden, kann es sein, dass du einen Anspruch auf Schmerzensgeld oder eine Geldentschädigung hast.


Was bedeutet Slut-Shaming?

Beim Begriff „Slut-Shaming“ handelt es sich um einen Fachausdruck.

„Slut-Shaming“ kommt aus der englischen Sprache. „Slut“ heißt übersetzt „Schlampe“ und „shaming“ bedeutet so viel wie „beschämen“.

„Slut-Shaming“ beschreibt das Verhalten, bei dem Mädchen und Frauen als „Schlampe“ beschimpft werden. Das geschieht beispielsweise aufgrund der Kleidungsweise oder dem sexuellen Verhalten des Mädchens bzw. der Frau. Der Kleidungsstil entspricht dann meist nicht den Erwartungen der anderen und wird oft als zu freizügig beurteilt: Zum Beispiel, wenn die Hose oder der Rock vermeintlich zu kurz ist oder dass das Oberteil des Mädchens bzw. der Frau angeblich einen zu tiefen Ausschnitt hat. Manchmal werden Mädchen und Frauen aber auch als „Schlampe“ bezeichnet, wenn andere ihr Sexualverhalten negativ bewerten. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn das Mädchen oder die Frau laut Meinung der anderen zu viele Sexualpartnerinnen/Sexualpartner hat bzw. hatte und so vielleicht schon sexuell erfahren ist.

Typische Aussagen, die beim „Slut-Shaming“ vorkommen, können unter anderem diese sein: 

„Warum trägt die so einen kurzen Rock? Bekommt die keinen Kerl ab?“
„Das Oberteil geht ja mal gar nicht! Da kann man ja die Brüste sehen!“
„Die war schon mit vielen Kerlen im Bett. Sie ist voll die Schlampe!“

Wusstest du, dass es meistens Mädchen und Frauen sind, die andere Mädchen und Frauen als „Schlampe“ beschimpfen bzw. beschämen? Jungen und Männer machen dies zwar auch hin und wieder, aber nicht in der Häufigkeit. Aber das ist doch komisch, oder? Müssten wir nicht eigentlich als Mädchen und Frauen zusammenhalten? Und haben wir eigentlich das Recht zu beurteilen, wie andere Mädchen und Frauen sich verhalten bzw. was sie anziehen sollen?

Das haben wir nicht. Und daher ist „Slut-Shaming“ auch nicht in Ordnung. Wir müssen natürlich nicht die Klamotten anziehen, die wir persönlich zu kurz finden. Wir müssen auch nicht viele Sexualpartnerinnen bzw. Sexualpartner haben, wenn wir das nicht möchten. Aber es ist vollkommen okay, wenn ein Mädchen oder eine Frau kurze Kleidung tragen oder mehrere Sexualpartnerinnen/Sexualpartner haben möchte. Denn das darf jede für sich entscheiden! Wir finden Mädchen und Frauen sollten zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.


Aus welchen Gründen beschimpfen sich Mädchen und Frauen als Schlampen?

Leider lässt sich gar nicht so pauschal sagen, warum einige Mädchen und Frauen andere Mädchen und Frauen als „Schlampe“ beschimpfen. Der Hauptgrund für „Slut-Shaming“ könnte sein, dass manche Mädchen und Frauen eine bessere Selbstdarstellung erreichen möchten. Vielleicht haben sie ein geringes Selbstwertgefühl und möchten dies durch „Slut-Shaming“ an anderen Mädchen und Frauen erhöhen. Es scheint sich dabei also oft um einen Konkurrenzkampf zu handeln. Manchmal sind es auch gelernte Rollenbilder, was von einem Mädchen oder einer Frau erwartet wird, welche dann bei Abweichungen mit Beleidigungen bestraft werden. Viele Menschen in unserer Gesellschaft sind noch nicht daran gewöhnt, dass Mädchen und Frauen ihre Freiheit selbst gestalten.

Wir finden das sehr schade und überhaupt nicht notwendig. Denn jede ist doch auf ihre Art einzigartig und es ist ganz egal, ob sie kurze Klamotten oder lange trägt oder ob sie viele Sexualpartnerinnen bzw. Sexualpartner hat oder nur wenige. Jede darf für sich entscheiden, wie sie leben möchte. Auch du.


Was kannst du tun, wenn du oder jemand anderes als Schlampe bezeichnet werdet?

Wenn ein Mädchen oder eine Frau als „Schlampe“ beschimpft wird, dann ist das nicht in Ordnung. Auch bei dir nicht.

Es ist schwer, als Betroffene von „Slut-Shaming“ damit umzugehen.

Natürlich helfen erst einmal Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Dann kann es sein, dass die Beschimpfung an dir einfach abprallt. Trotzdem ist das Verhalten der anderen nicht okay. Und ein großes Selbstbewusstsein bzw. ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl haben längst nicht alle.

Falls du einmal von „Slut-Shaming“ betroffen bist, ist es daher dein gutes Recht und das ist auch unser Rat, dir Hilfe zu holen. Unterstützung kannst du dir bei einer Vertrauensperson deiner Wahl holen, z.B. bei Schulsozialarbeiterinnen/Schulsozialarbeitern, bei Lehrkräften oder aber deinen Eltern. Du kannst auch erst einmal mit einer Freundin reden und sie bitten, mit dir gemeinsam zu deiner auserwählten Vertrauensperson zu gehen. Sie kann dir vielleicht den Rücken stärken. Und natürlich ist auch die Beratung der LOBBY FÜR MÄDCHEN für dich da und kann dich in einem solchen Fall unterstützen. Dafür kannst du z.B. unsere Online-Beratung in Anspruch nehmen oder persönlich in die Mädchenberatung kommen.


Werden Jungen und Männer auch Opfer von „Slut-Shaming“?

Dass Jungen und Männer als „männliche Schlampe“ bezeichnet werden, kommt kaum vor. Seit ein paar Jahren kursiert zwar das Wort „Fuckboy“ als Bezeichnung für sexuell aktive Jungen und Männer, dennoch werden sie eher positiv bestärkt, wenn sie beispielsweise mit vielen Mädchen und Frauen Sex hatten oder „wenn sie eine rumgekriegt“ haben. Diese Jungen und Männer werden dann unter anderem als „Womanizer“, „Frauenheld“ oder „Macho“ bezeichnet. Klar, dass das für die Jungen und Männer eine Aufwertung darstellt und sie stolz auf ihr Verhalten sind.

Aber das ist doch gemein, oder? Nur weil einige Mädchen und Frauen sich so verhalten wie manche Jungen und Männer, werden sie oft als „Schlampe“ beschimpft. Jungen und Männer hingegen werden selten für ihr Sexualverhalten beleidigt. Das ist teilweise auch bei der Kleidung der Fall: Zeigt ein Mädchen sich im Bikini, wird sie von anderen eher als „Schlampe“ beschimpft, als wenn sich ein Junge „oben ohne“ zeigt.

Dieses Phänomen nennt man übrigens „Doppelmoral“. Das Kuriose an der Doppelmoral ist, dass auch Mädchen und Frauen diese unterstützen, indem sie es sind, die am häufigsten „Slut-Shaming“ betreiben. Dabei ist es doch umso wichtiger, dass wir Mädchen und Frauen zusammenhalten und dafür sorgen, dass wir in der Gesellschaft genauso behandelt werden wie Jungen und Männer.


Warum benutzen manche das Wort Mädchen als Beleidigung?

Vielleicht hast du es auch schon mal selbst gehört oder mitbekommen: Manche verwenden das Wort „Mädchen“ als Abwertung. Im Sportunterricht wird vielleicht von Klassenkameraden darauf hingewiesen, dass man ja läuft „wie ein Mädchen“ oder im Freundeskreis hört diejenige, die sich im Schwimmbad nicht traut vom 5-Meter-Turm zu springen, „du Mädchen“. Dabei ist es oft nicht nur eine Beleidigung gegenüber Mädchen, auch Jungen werden als „du Mädchen“ bezeichnet.

Was heißt das denn nun genau, „du Mädchen“?

Hierbei handelt es sich um eine Form von Sexismus. „Mädchen“ wird oft mit den Eigenschaften schwach, ängstlich, unsicher, unwissend, vorsichtig, zurückhaltend, zickig, launisch etc. in Verbindung gebracht. In jedem Fall ist es eine eher negative und abwertende Beschreibung. Und das ist ziemlich unfair, denn ein Mädchen zu sein ist nichts Negatives! Mädchen haben viele positive Eigenschaften und sind völlig unterschiedlich und individuell. Es ist also zum einen falsch, allen Mädchen die gleichen Eigenschaften zuzuschreiben. Zum anderen ist es unfair, „Mädchen“ als Beleidigung zu verwenden. Hierbei wird nicht nur die angesprochene Person beleidigt, sondern Mädchen werden im Allgemeinen schlecht gemacht. Im Gegenteil: jede hat das Recht sich als Mädchen wohlzufühlen und Mädchensein so zu gestalten, wie es sich für sie selbst gut anfühlt.