Selbstverletzendes Verhalten

Was ist selbstverletzendes Verhalten?

Als Selbstverletzendes Verhalten (manchmal auch als SVV abgekürzt), wird ein Verhalten bezeichnet, bei dem sich Menschen selbst wehtun. Die Betroffenen fügen sich auf ganz unterschiedliche Arten Schmerzen zu. Manche kratzen oder kneifen sich. Dabei entstehen dann nicht unbedingt länger sichtbare Verletzungen. Andere kratzen, schneiden oder verbrennen sich und fügen sich damit kleine oder auch große Verletzungen zu. Dabei kann es zu Wunden, Narben, Prellungen und Brüchen kommen.


Warum verletzen manche Mädchen sich selbst?

Die Mädchen, die uns von ihren Selbstverletzungen berichten, erzählen uns von einem sehr großen inneren Druck, den sie verspüren. Der Druck kann bei manchen mal mehr und mal weniger da sein. Bei anderen ist er immer ein bisschen da. Sie können manchmal gar nicht sagen, woher dieses Gefühl kommt.

Es kann sich anfühlen, wie ein Luftballon, der zu platzen droht oder wie ein Fass, das fast überläuft. Das Gefühl ist auf jeden Fall nicht angenehm, meist spüren sie Schmerz, Traurigkeit oder auch Wut und vor allem Wut gegen sich selbst.

Wenn dieser Druck in ihnen zu stark wird, dann kann es zu Selbstverletzendem Verhalten kommen. Vielen hilft diese Verletzung, sich für eine Weile von dem großen Druck entlastet zu fühlen.

Wenn diese Entlastung dann nicht mehr wirkt, spüren die Mädchen erst die Schmerzen der Wunde. Manche Mädchen berichten uns davon, dass sie sich schlecht fühlen, weil es ihnen schon wieder passiert ist.

Oft haben die Betroffenen auch Angst, nahestehende Menschen zu enttäuschen, wenn sie sich zum wiederholten Male selbst verletzen. Das Selbstverletzende Verhalten ist erst einmal eine Lösungsstrategie und ein Versuch, die Belastung zu reduzieren. Durch die Selbstverletzung verschwindet das schlechte Gefühl für kurze Zeit. Aufgrund des Schamgefühls kommen Druck und schlechte Gefühle schnell wieder zurück.


Was kannst du tun, wenn du dich selbst verletzt?

Sich das Selbstverletzen zu verbieten kann sehr schwierig sein: Du verbietest dir etwas, was dir bei sehr hohem Druck vielleicht schon einmal geholfen hat.

Vielleicht kannst du dir erstmal überlegen: Womit fängt es an? Was macht dir Druck? Und im zweiten Schritt könntest du dir über Folgendes Gedanken machen: Was tut dir gut? Was entspannt dich? Wie kannst du anders Druck abbauen? Es ist nicht einfach, sich über diese Fragen Gedanken zu machen. Lass dir ruhig Zeit und sei mit dir selbst geduldig.

Du kannst dir zum Beispiel eine Liste mit Dingen zur Entspannung aufschreiben. Diese Dinge kannst du dann gezielt einsetzen, um den Druck zu verringern. Manchen Mädchen hilft eine Art Notfallkoffer: Darin kannst du die Liste hinterlegen oder kleinere Gegenstände, die dir bei sehr großer Anspannung helfen können.

Hier ein paar Tipps, die andere Mädchen als hilfreich erlebt haben:

  • Regelmäßiges Auspowern beim Sport
  • Eiswürfel auf die Haut reiben
  • Eine Freundin anrufen
  • Entspannungsübungen oder Yoga
  • Lieblingsmusik laut hören
  • Jeden Tag eine kleine Mittagspause auf dem Bett mit leiser Musik

Nur du kannst für dich selbst herausfinden, was dir helfen kann. Das Anwenden neuer Ablenkungsstrategien brauch manchmal Zeit. Und manchmal klappt es auch nicht, das ist ebenfalls o.k.. Durch Ausprobieren kannst du gut eine für dich passende Strategie finden.  

Es kann dir helfen zu notieren, was dir wann geholfen hat.

Die LOBBY FÜR MÄDCHEN ist für dich da. Wir können in der Beratung gemeinsam überlegen, welche Unterstützung du gerne hättest. Wir können gemeinsam herausfinden, wie Druck und damit das Selbstverletzende Verhalten weniger werden kann. Wir helfen dir Listen anzulegen und zeigen dir, welche Möglichkeiten es sonst noch gibt.


Was machst du, wenn sich deine Freundin selbst verletzt?

Es kann beängstigend sein zu erfahren oder mitzuerleben, dass sich eine Freundin selbst verletzt. Vielleicht machst du dir Sorgen und bist dir unsicher, ob und wie du ihr helfen kannst.

Wichtig ist vor allem Folgendes: Versuche, ihr nicht noch mehr Druck zu machen. Ihr das Selbstverletzende Verhalten zu verbieten, steigert ihre Anspannung noch mehr.

Mache dir am besten immer wieder bewusst, dass es für deine Freundin eine Lösungsstrategie für belastende Situationen ist. Du kannst sie fragen, ob sie deine Unterstützung möchte. Dann könntest du mit ihr gemeinsam überlegen, was ihr bei großem Druck noch helfen könnte. Wenn sie deine Hilfe nicht annehmen möchte oder (noch) nicht annehmen kann, solltest du ihre Entscheidung akzeptieren.

Du kannst natürlich auch zur LOBBY FÜR MÄDCHEN kommen und dich über das Thema beraten lassen, da es auch für dich sehr belastend sein kann, wenn sich eine Freundin selbst verletzt.

WICHTIG: Du bist nicht für das selbstverletzende Verhalten deiner Freundin verantwortlich. Du kannst nur versuchen, sie zu unterstützen – ohne sie zu etwas zu drängen oder zu überfordern. Achte darauf, dass es auch dir gut geht. Denn nur so kannst du eine gute Hilfe für sie sein und gleichzeitig selbst gesund bleiben.